Herzlich willkommen!

Wer wir sind?

Der Johannische Chor hat sich in den fast 70 Jahren seines Bestehens fest in der Berliner Chorszene etabliert – ein gemischter, offener Chor, dessen Mitglieder sich nicht nur durch stimmliche Diversität, sondern auch durch menschliche Vielfalt auszeichnen. Frauen und Männer unterschiedlichen Alters treffen in den Proben und Konzerten aufeinander. So singen Studenten mit Eisenbahnern, Verkäufer mit Hebammen und Pädagogen mit Köchen. Das Singen in der Gemeinschaft wird von allen als wichtiger und schöner Ausgleich zu ihrem Alltag empfunden – und verbindet.

Dabei steht die Klangkultur im Vordergrund. Einmal pro Woche und an ausgewählten Wochenenden üben wir Intonation und basteln an einer ausgewogenen Klangbalance. Das Repertoire ist fassettenreich und wird stets erweitert und modernisiert. Wir singen zeitgenössische Musik, deutsche und internationale Volkslieder, weihnachtliche Weisen, geistliche Choräle – romantisch, barock  oder klassisch, was uns verbindet ist vor allem der Wunsch, durch Musik unser Publikum berühren zu wollen.

Wir proben Mittwochs um 20 Uhr im St.-Michaels-Heim in Berlin-Grunewald, Bismarckallee 23, im Kellergeschoss der Kindertagesstätte, vor Konzerten zusätzlich auch an Donnerstagen. Unser Dirigent ist Jens Lehmann.

Wer wir waren…
I. Nach dem Krieg

Der Zweite Weltkrieg liegt keine vier Jahre zurück, der Aufbau hat gerade erst begonnen, musikalische Freizeit ist Luxus und die Bundesrepublik gibt es noch nicht. Die äußeren Verhältnisse scheinen also musischem Leben denkbar feindlich, als der Musikpädagoge Willy Stutte im Februar 1949 den „Jugendchor der Johannischen Kirche“ gründet. Schon bald übergibt Willy Stutte die Leitung an seinen Sohn Friedhard Stutte. Unter seiner Leitung werden seit 1950 die anfangs auf kirchliche Veranstaltungen beschränkten Auftritte auf Konzerte in sozialen Einrichtungen aller Art erweitert.

Friedhard Stutte

Geistliche Chormusik und das gleichermaßen gepflegte Volkslied bilden in dieser Zeit die musikalischen Grundlagen des Chores und formen über die Jahrzehnte ein Repertoire, das sich – nicht zuletzt durch zahlreiche internationale Reisen – stetig erweitert und modernisiert. Die Teilnahme an den Proben war jedoch seinerzeit nicht immer unproblematisch. Das Durchqueren der Bezirke und Sektoren der zerstörten Stadt, nur um am gemeinschaftlichen Singen teilzunehmen, erforderte viel Motivation und Mut.

       II. Die 50er

Als Siegfried Lehmann 1954 nach dem frühen Tode von Friedhard Stutte den Chor übernimmt, gelingt der Sprung in die breite Öffentlichkeit. Von nun an wird die Probenarbeit intensiv umgestaltet. Die musikalische Weiterentwicklung und die erarbeitete Intonationssicherheit machen sich am Klang des Chores schnell bemerkbar. Es mehren sich öffentliche Auftritte: 1956 konzertiert der Johannische Chor Berlin mit internationalen Volksliedern in Düsseldorf, 1957 gastiert er im Berliner Konzertsaal der Hochschule für Musik und in der Hamburger Musikhalle.

Nach einem Gesangswettbewerb in West-Berlin wird der SFB (Sender Freies Berlin) auf die SängerInnen aufmerksam. Er bietet dem jungen Chor Rundfunkaufnahmen an. Diese Produktionen wecken das Interesse vieler westdeutscher Rundfunksender. 1958 unternimmt der nun populäre Chor seine erste größere Konzertreise durch die Bundesrepublik.

       III. Zwei Chöre

Mit der Teilung Deutschlands im Jahre 1961 wird auch der Johannische Chor Berlin auseinandergerissen.  Während der größere Teil des Chores in West-Berlin unter Leitung von Siegfried Lehmann seine Arbeit, wenn auch stimmlich geschwächt, fortsetzt, dauert es in Ost-Berlin 14 Jahre, bis sich unter der Leitung von Erhard Marek der „Konzertchor der Johannischen Kirche in der DDR“ gründen kann. Dieser darf jedoch nur im Rahmen kirchlicher Auftritte konzertieren.  Erst nach der Wende kann das Ensemble in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland als „Kammerchor Berlin Kaulsdorf“ gastieren.

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       IV. Im Westen

Mitte der 60er Jahre gibt der Johannische Chor, auf Wunsch des Düsseldorfer Stadtschulrats, Schulkonzerte  in der westdeutschen Stadt. Hier wird das Ensemble durch ein reiches Mallet- und Percussion-Instrumentarium unterstützt, die fortan einen festen Bestandteil des Chores bilden sollten.

65 Jahre Johannischer Chor Berlin

Über die Jahre entsteht auch eine, nunmehr Tradition gewordene, Regelmäßigkeit, im Dezember Weihnachtsmusik zu präsentieren. Die in dieser Zeit entstandenen Schallplattenaufnahmen (später CDs) zeugen noch heute von den besonderen Programmen und dem musikalischen Können der SängerInnen, SolistInnen und InstrumentalistInnen.

Durch die Einnahmen finanziert der Chor Reisen nach England, USA, Chile, Brasilien, Argentinien, Schweiz, Italien und Österreich. Gesungen werden vor allem volkstümliche Lieder aus dem alten Repertoire und neue Kompositionen von Siegfried Lehmann. Von den Reisen bringt der Chor stets neues Liedgut mit, das teils neu gesetzt und durch Instrumente untermalt wird.

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In den 80er Jahren gelingt es der Chorleitung Konzerte in der damaligen DDR sowie zwei Reisen nach Polen und in die Tschechoslowakei zu realisieren.

       V. Nach der Wende

Mit der politischen und gesellschaftlichen Wende in Deutschland kommt auch der Generationswechsel innerhalb des Chores. Nach 38jähriger Arbeit, in der er den Chor, gemeinsam mit seinem musikalischen Berater Helmut Raeschke, zu einem Klangkörper formte, dessen Qualität international anerkannt ist, übergibt Siegfried Lehmann die Verantwortlichkeit 1992 an seinen Sohn Jens Lehmann.

Bildeten bisher internationale Folklore und geistliche Chormusik die Schwerpunkte der Chorarbeit, so erweiterte der junge Chorleiter das Repertoire in den 90er Jahren um moderne Chor-Lyrik, eigene Setzungen und neue Chorprojekte. Die traditionellen Weihnachtskonzerte mit Instrumentalensemble und Tanzgruppe bleiben erhalten.

Im Herbst 1999 kommt es endlich zur lang ersehnten Fusion der durch die Mauer geteilten Chorteile. Ost und West wächst zusammen und der Johannische Chor Berlin beginnt das neue Jahrtausend wiedervereint.

        VI. Und heute…

Das gesamte Ensemble möchte auch weiterhin – so wie es einmal ein Kritiker seiner Zeit formulierte – als verbindender Botschafter über Augen und Ohren zu den Herzen der Menschen verstanden werden. Seit Beginn zeichnet sich die Gemeinschaft durch eine große Diversität an Menschen aus. Im Alter zwischen 15 und 60 Jahren mischen sich stimmlich erfahrene SängerInnen mit musikalischen Laien. Die gemeinsame Herausforderungen und die Freude an der Musik überbrücken die Unterschiede und bilden aus dem Chor auch heute einen einheitlichen, schönen Klangkörper.

2014 feierte der Johannische Chor Berlin sein 65jähriges Bestehen.